Archive for the 'Financial Times' Category

Gegenzug (FTD, Titelseite)

Freitag, April 30th, 2010

Der erste Satz im Aufmacher “Griechen unterwerfen sich dem IWF“:

“Griechenland hat sich im Gegenzug für das internationale Hilfspaket zu drastischen Sparmaßnahmen bereiterklärt.”

Ein Paket ist keine Handlung und damit kein Zug. Eher: im Gegenzug für die internationale Hilfe.

Man schreibt sehr deutsch (FTD, Titelseite)

Dienstag, September 29th, 2009

Die Überschrift zum Artikel “Er spricht deutsch” sowie der Artikeltext:

“Guido Westerwelle schüttelt entgeistert den Kopf. ‘Ich bitte Sie, bei allem Verständnis. So wie es in Großbritannien üblich ist, dass man selbstverständlich englisch spricht, so ist es in Deutschland üblich, dass man hier in Deutschland deutsch spricht.’”

Im Unterschied zur Financial Times weiß Westerwelle wohl wenigstens, dass er nicht nur deutsch redet, sondern auch Deutsch spricht; hier spricht er über die Sprachen Deutsch und Englisch - und nicht über deutsche und englische Sprechweisen.

Petra und Claudia (FTD, Titelseite)

Mittwoch, Juni 13th, 2007

Die ersten Sätze im Artikel “Barmherzige Heuschrecke”:

“David Knower weiß, was Politikern gefällt. Der Deutschlandchef des US-Finanzinvestors Cerberus brachte Frankfurts Oberbürgermeisterin Claudia Roth am Dienstag nicht nur die frohe Kunde, dass Cerberus mit 1 Mio. Euro in der Mainmetropole 100 Ausbildungsplätze fördern will. ”

Die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth avanciert zur Oberbürgermeisterin Frankfurts und lässt sich von Investoren hofieren - eigentlich hätte man diese Entwicklung erwarten können.

Der Ruf des Rufes (FTD, Titelseite)

Mittwoch, November 29th, 2006

Im Artikel über das Urteil zum Berliner Hauptbahnhof:

“Das Hamburger Architekturbüro Gerkan, Marg und Partner gilt international als eines der angesehensten in Deutschland.”

Im Ausland genießt das Büro demnach den Ruf, eines der höchstangesehenen hierzulande zu sein.

Interessant wäre noch, ob das Büro in Deutschland und im Ausland so angesehen ist, wie man dort meint, daß es hier sei.

Mangel als Ware (Financial Times, Titelseite)

Montag, November 6th, 2006

Zum gleichen Sachverhalt wie zuvor:

“Bereits heute bezieht die Volksrepublik ein Drittel ihres Rohölbedarfs aus Afrika - vor allem aus Angola, Nigeria und dem Sudan.”

Die Volksrepublik China deckt also nicht ihren Rohölbedarf mit Einfuhren aus Afrika, sondern bezieht ein Drittel ihres Bedarfes von dort.

Das ist wahrer Reichtum, wenn ein Land Bedarf importieren muß, weil es selbst keinen hat.

News für Google (Financial Times, S. 31)

Mittwoch, Oktober 11th, 2006

Im Leitartikel über die Übernahme von Youtube durch Google:

“Die Suchmaschine lädt Menschenmassen bei Onlineadressen ab. Und wenn eine der Adressen richtig trendig ist, kauft sie den Laden einfach.
So hat es Google jetzt mit dem Videoportal Youtube gemacht, so hat es der Konzern erst im August mit der ebenso populären Mitmach-Plattform Myspace gemacht. Das mag die Szene stören. Aus Sicht des Internetkonzerns ist es genau die richtige Strategie.”

“Doch es ist wenig wahrscheinlich, dass Youtube und Myspace zum Milliardengrab werden. Wahrscheinlicher ist, dass sich die Deals langfristig rechnen und Google damit im Onlinewerbemarkt über Jahre klar vor den Konkurrenten Microsoft und Yahoo bleibt, für die jetzt nur die B-Locations des Web 2.0 übrig sind.”

Die Financial Times denkt tatsächlich, MySpace sei ebenfalls von Google gekauft worden und nicht von Rupert Murdochs News Corporation, die im Artikel nicht erwähnt wird.
Den bis gestern spektakulärsten Erwerb einer Internet-Gemeinschaft durch ein Großunternehmen kann die FTD nicht zuordnen.

Vielleicht gibt es inzwischen nur noch eine große Firma auf der Welt, und niemand sonst hat es bemerkt.

Sein Wort ist Gesetz (Financial Times Deutschland, Titelseite)

Mittwoch, Juni 14th, 2006

In der Titel-Meldung “Deutschland verbietet Tabakreklame”:

“Die Bundesregierung wird Tabakreklame in deutschen Medien vollständig verbieten. Nachdem EU-Generalanwalt Philippe Léger gestern eine Klage Deutschlands gegen das EU-weite Tabakwerbeverbot abgeschmettert hatte, will Verbraucherminister Horst Seehofer (CSU) die europäische Richtlinie nun ‘unverzüglich’ in nationales Recht umsetzen.
Tabakindustrie, Handel und Verleger protestierten.
Seehofers Ankündigung hat zur Folge, dass Reklame für Zigaretten und andere Tabakwaren in deutschen Zeitungen, Zeitschriften, Internet- und Rundfunkangeboten nun verboten wird.”

Das nennt man ein Machtwort: Schon Seehofers Ankündigung der Richtlinien-Umsetzung genügt demnach, um die Tabakwerbung in Deutschland zu verbieten. So macht regieren Spaß - keine Einbringung eines Gesetzantrags, keine Abstimmung darüber, keine Verabschiedung des Gesetzes.

Die FTD sollte nackte Frauen auf die Titelseite legen, um die Seriosität wenigstens etwas zu steigern: “Lieber mag Claudia die Ankündigung von heißem Wetter zur WM. Bei bunten Ballspielen bringt sie trotz Tabakwerbeverbot jede Zigarre zum Brennen.”

Kreditwürdige Gläubiger (Financial Times Deutschland, Titelseite)

Mittwoch, Mai 17th, 2006

Im Aufmacher-Artikel “Bundesbank geht Hedge-Fonds an - Vorstand schlägt Kontrolle durch Ratingagenturen vor” will die FTD ihren Lesern erklären, worin die Arbeit einer Rating-Agentur besteht:

“Rating-Agenturen wie etwa Standard & Poor´s untersuchen heute bereits die Qualität von Investmentfonds. Ihre Haupttätigkeit ist aber die Beurteilung der Kreditwürdigkeit großer Gläubiger.”

Und daher werden die Rating-Agenturen von potentiellen Schuldnern konsultiert, damit diese Schuldner erfahren, wo sie Geld am sichersten leihen können.