Im Artikel “Beug schon mal vor, Harry” rezensiert Uwe Walter, Professor für Alte Geschichte in Bielefeld, das Buch “Romdeutsch” von Karl-Wilhelm Weber, das den täglichen Einsatz des Lateinischen behandelt.
Walter nutzt die Gelegenheit, um die marode Praxis des gegenwärtigen Latein-Unterrichts zu beklagen und seine persönlichen Normen zu formulieren:
“Wenn man Latein auf die einzig sinnvolle Weise lehren und lernen will, nämlich mit hohem Anspruch, dann ist es richtig schwer. Dabei ebenso askesefördernd wie bereichernd. Und elitär, also positiv diskriminierend.”
“Was sich mittlerweile alles Latinum nennen darf, erfahren Historiker an der Universität, wenn sie Studierenden mit einem solchen einen leichten Originaltext zur Übersetzung vorlegen.”
Wer mittlerweile alles über Sprache schreiben darf, erfahren Leser in der FAZ, wenn mit einem sprachlichen Thema befasste Autoren ein kleines Beispiel ihrer Kompetenz zur Betrachtung vorlegen:
“Die Sünden wider das grammatische Geschlecht oder die Beugungen sowie unsinnig gesteigerte Superlative wie ‘optimieren’ spießt ein Kapitel ‘Dummlatein auf Deutsch’ auf, ohne das Satire-Potential zu nutzen.”
Sein eigenes Satire-Potential schöpft der Rezensent unfreiwillig aus.
“Optimieren” ist kein Superlativ, sondern der Infinitiv eines Verbs.
Nicht nur die Form ist falsch gewählt, sondern sogar die Wortart.
Das also ist der vom Autor geforderte hohe Anspruch, mit dem gelehrt und gelernt werden soll, bereichernd und elitär.