Archive for Oktober, 2006

Die Sprache der Technik (FAZ, Sachbücher)

Montag, Oktober 30th, 2006

In der Rezension des Buchs “Die Philosophie im Prozeß der Kultur”:

“Universitäten haben es mit jungen Leuten zu tun, denen noch anderes fehlt als nur ein Zertifikat und eine Handvoll Techniken, von denen sie dann im Beruf erfahren, daß sie ganz andere brauchen.”

Die jungen Leute erfahren also im Beruf nicht von jemandem etwas über die Techniken, sondern erfahren es von den Techniken selbst. Das ist technische Selbst-Vermittlung.

Gerechtigkeit (FAZ, Feuilleton, S. 33)

Montag, Oktober 30th, 2006

Über eine Nachforderung:

“Im Sommer, acht Monate nach dem Ableben des Abonnenten, forderte die Fernsehgesellschaft Canal Satélite Digital den Decoder zurück und drohte bei Nichterfüllung eine Strafe von 300 Euro an (die sie auch bekam).”

Die Gesellschaft ist also mit der Strafe, die sie angedroht hat, selbst ebenfalls belegt worden.

Richtig erkannt, falsch kritisiert (FAZ, Titelseite)

Montag, Oktober 30th, 2006

Überschrift:

“Merkel: Mein Regierungsstil ist erfolgreicher - Kanzlerin weist Schröders Kritik der Führungsschwäche zurück”.

Frau Merkel weist also nicht Kritik an ihrer Führungsfähigkeit zurück, sondern die Kritik ihrer somit unbestrittenen Führungsschwäche.

Die Führungsschwäche der Kanzlerin muß vielleicht nur von annehmbarer Seite kritisiert werden, damit sie nichts dagegen einwenden wird.

Ir/Ur-anan (FAZ, Titelseite)

Montag, Oktober 30th, 2006

Meldungs-Überschrift:

“Iran verdoppelt Urananreicherung”.

Jetzt gibt es zwei iranische Urananreicherungen.

Über gender (FAS, S. 16)

Sonntag, Oktober 29th, 2006

In einer Notiz:

“Die italienischen Medien sind in Aufruhr, weil der kommunistische Abgeordnete Vladimir Luxuria, der sich als ‘transgender’ - übergeschlechtlich - bezeichnet, im Parlament eine Damentoilette benutzt hat.”

Übergeschlechtlich: “supergender” also.

Neuartige Umstände (FAZ, Feuilleton, S. 43)

Mittwoch, Oktober 25th, 2006

In einem Artikel über Religion und Reform:

“Unter anderen geschichtlichen Umständen wäre die Religionsfreiheit als ein Menschenrecht weiter das geblieben, was sie in den Augen der Strenggläubigen bis dahin stets gewesen sind: eine wissenssoziologisch interessante, im übrigen aber gefährliche Neuerung, die man als Gläubiger am besten mit einem ‘Deckel drauf ‘ beantwortet.”

Die Religionsfreiheit wäre unter Umständen das geblieben, was die geschichtlichen Umstände stets gewesen sind: eine interessante aber gefährliche Neuerung.

Geschichtliche Umstände sind seit ihrer Einführung eben streng betrachtet etwas interessantes und gefährliches.

Alte Meister (FAZ, Feuilleton)

Montag, Oktober 23rd, 2006

Der Kunstkritiker Eduard Beaucamp in seiner Dankesrede zum Erhalt eines Preises; im gleichen Rahmen wurde auch über “Die Radikalität des Alters” diskutiert:

“Es ist eine große Lust, mit den Erfahrungen der Moderne die alten, in Wirklichkeit aber quicklebendigen Meister zu erkunden und neu zu vermitteln.”

Die Meister sind in Wirklichkeit also nicht alt, sondern lebendig.

Die Teilnehmer an dem Gespräch über das genannte Thema, wie die 89-jährige Margarete Mitscherlich, haben zu der Bildung dieses Gegensatzes gewiß einen Gedanken gehabt.

Dimensionen (FAZ, Titelseite)

Montag, Oktober 23rd, 2006

Im Leitartikel:

“Man kann weder über Identitäten hinweggehen noch Länder von einer bestimmten Größe an für zu klein erklären (selbst Bremen hat deutlich mehr Einwohner als der kleinste amerikanische Bundesstaat).”

Über einer bestimmten Größe sollen Länder klein werden - das geht in der Tat nicht.

Was? (FAZ, Feuilleton)

Samstag, Oktober 21st, 2006

England-Korrespondentin Gina Thomas unter der Überschrift “What?” über das schwindende Interesse der britischen Schüler am Fremdsprachenlernen:

“Im vergangenen Dezember warnte ein Bericht der staatlichen Lehrplanberater, daß der Rückgang im Fremdsprachenunterricht die Berufsaussichten von Schülern beeinträchtige.”

Wer geht denn im Fremdsprachenunterricht zurück: gehen die Lehrer zurück nach Hause, oder müssen gar die Schüler beim Lernen rückwärts laufen?
Und der Bericht warnt nicht vor einer zukünftigen Entwicklung, sondern vor einer gegenwärtigen Beeinträchtigung. Es besteht nämlich die hohe Gefahr, daß die Dinge jetzt so sind, wie sie sind.

“Die Zahl derer, die auf der dem Realschulabschluß entsprechenden GCSE-Stufe die Prüfung in Französisch belegen, ist seit dem letzten Jahr um dreizehn Prozent gesunken, bei Deutsch um vierzehn Prozent.”

Und eine Prüfung wird also nicht mehr nur abgelegt, sondern sogar als Fach belegt.
Über die Prüfung wird dann bestimmt von prüfungskundigen Prüfern geprüft.

“Es gelte, junge Leute zum Sprachinteresse zu ermutigen (…)”, so Bildungsminister Johnson im Zitat.
Die Schüler scheuen also nicht das Lernen, sondern sie scheuen das Interesse.

Interesse hat ja auch etwas Erschreckendes, vor allem das Interesse an der Sprache.

Der Plan (FAZ, Politik)

Samstag, Oktober 21st, 2006

Im Artikel über den amerikanischen Einsatz im Irak:

Überschrift: “‘Irak-Plan gescheitert - Amerikaner suchen neue Strategie im Kampf gegen Gewalt”.

Text: “Die amerikanischen Streitkräfte haben das Scheitern ihres Plans vom Juni zur Eindämmung der Gewalt in der irakischen Hauptstadt Bagdad eingestanden und suchen nach einer neuen Taktik.”

Wenn die Amerikaner Strategie und Taktik verwechseln, ist ihr Scheitern im Irak keine Überraschung.