Archive for Januar, 2007

Optimalimiert (FAZ, Feuilleton)

Mittwoch, Januar 31st, 2007

Im letzten Artikel der Serie “Grundkurs in Soziobiologie”:

“Die Psychologin Leda Cosmides und der Anthropologe John Tooby, beide maßgeblich an der Entwicklung dieser Überlegungen beteiligt, vergleichen deshalb das Gehirn lieber mit einem Schweizer Armee-Messer als mit einem Allzweck-Computer. Und zwar deshalb, weil auch das Schweizer Messer aus sehr verschiedenartigen Werkzeugen, den Modulen, zusammengesetzt ist, die jeweils optimal für eine spezielle Aufgabe optimiert sind.”

Und sie sind auch speziell auf die Aufgabe spezialisiert.

Truppenerhöhung (FAZ, Titelseite)

Samstag, Januar 27th, 2007

Im Aufmacher-Artikel:

“Verteidigungsminister Gates plane eine Erhöhung der in Afghanistan stationierten Truppen, sagte Rice.”"

Weder eine Erhöhung der Truppenstärke wird geplant, noch eine Erhöhung der Truppenzahl. Die Truppen sollen erhöht werden; vielleicht werden sie dazu auf einen Hügel gestellt.

Nictt versteckt und gefunden (FAZ, Titelseite)

Mittwoch, Januar 24th, 2007

Im Artikel “Formulare für die Strandräuber”:

“Denn von fern mag die Szene zwar aussehen wie ein auferstandener alter Schmuggler- oder Piratenfilm, und selbst in der wahren Geschichte dieses Sprengsels sind tatsächlich echte Schätze versteckt.”

Zwar sieht die Szene aus wie - aber nicht “aber”, sondern “und”? Weiterhin: um aufzuerstehen, müsste ein Film erst einmal tot sein. Wie sieht ein toter Film aus? Wohl nicht anders als ein auferstandener Film. Und eine Szene, die nicht aussieht wie aus einem Film, sondern die aussieht wie ein Film selbst, wie sieht die aus? Und die “tatsächlich echten Schätze” sind also nicht in einem Schiff versteckt, sondern in einer Geschichte; das macht sie wohl tatsächlich echt.

Nächster Satz:

“Man findet hier immer noch Silberstücke eines Schatzschiffs mit dem verhängnisvollen Namen “Scylla”, das hier 1744 untergegangen ist.”

Nicht unheilverkündend, nach einem Unheil klingend, ist der Name des Schiffes also, sondern verhängnisvoll; also unheilstiftend, zum Unheil führend. Wie ein bloßer Name ein Unheil verursachen kann, das würde man gerne erläutert bekommen.

Versteckt und gefunden (FAZ, Titelseite)

Mittwoch, Januar 24th, 2007

Im Artikel “Mikrofone im Büro von Neskovic gefunden”:

“Die nicht sonderlich versteckten Mikrofone wurden zufällig auf Deckenlampen liegend entdeckt, als Fotos im Büro des Abgeordneten Neskovic gemacht werden sollten.”

Entweder die Mikrofone waren versteckt oder sie waren nicht versteckt. Vielleicht waren die Mikrofone nicht gut versteckt, aber es gibt keine unterschiedlichen Grade von Verstecktheit. Ob etwas versteckt ist oder nicht, richtet sich danach, ob jemand etwas verstecken wollte. Die Absicht macht das Verstecken, nicht die Findbarkeit.

Panamanian Stallion (Süddeutsche)

Samstag, Januar 20th, 2007

Im Artikel “Der lange Kampf” im Wochenendmagazin der SZ, das ganz Sylvester Stallone und seiner Figur “Rocky” gewidmet ist, findet sich zweimal das Wort “Balbao”. Der Nachname von Rocky ist allerdings “Balboa” - “Balbao” dagegen ist die Landeswährung von Panama. Bei der Süddeutschen verdrängt Geld scheinbar die Erinnerung an jeden Helden.

Faustdruck und Ausdruck (FAZ, Titelseite)

Samstag, Januar 20th, 2007

Im Aufmacher-Artikel über den Satelliten-Abschuss durch China:

Der britische Premierminister Blair äußerste seine Besorgnis.”

Und diese Besorgnis ist die geäußerste.

Intimer Fehler (NZZ, Feuilleton)

Freitag, Januar 19th, 2007

Im Artikel von Ludger Lütkehaus über die angebliche Affäre von Sigmund Freud mit seiner Schwägerin:

“Peter Gay, Autor einer massgeblichen Freud-Biografie, peinlich genauer Rechercheur, Freud-Verehrer, aber keineswegs Freud-Idolisierer, hat mit dem gut entwickelten Sinn der angloamerikanischen Biografik für Ironie und Witz von der ‘Minna-Frage’ gesprochen - der Frage, ob Freud zu seiner neun Jahre jüngeren Schwägerin, Minna Bernays, die seit 1896 im Hause Freud lebte, nicht nur eine emotionale und intellektuelle, sondern auch eine intime Beziehung gehabt habe.”

Herr Lütkehaus meint eine körperliche Beziehung. “Intim” bedeutet “sehr vertraut”, und eine intime Beziehung kann ebenso emotionaler wie intellektueller Natur sein, ohne körperlich-erotisch werden zu müssen. Auch Platon hatte eine intime Beziehung zu seiner Frau. Unterstellt, daß Herr Lütkehaus nicht über die Maßen schamhaft ist, ist ist ist wohl die Verwendung des Wortes “intim” an dieser Stelle ein besonders im Zusammenhang interessanter Lapsus.

Druck (NZZ, Titelseite)

Mittwoch, Januar 17th, 2007

Im Aufmacher-Artikel über die Iran-Politik von Frankreich;
erster Satz der Zusammenfassung vor dem Artikel:

“Im Gegensatz zu Washingtons verstärktem Druck gegenüber Teheran sucht Frankreich im Alleingang den Gesprächsfaden mit den Iranern wieder anzuknüpfen.”

Washington verstärkt den Druck gegenüber Teheran - Druck auf wen eigentlich?

Klar (FAZ, Titelseite)

Dienstag, Januar 16th, 2007

Im Artikel von Günter Bannas über eine mögliche zweite Amtszeit des Bundespräsidenten:

“Die Bemerkung der Frager folgte, bisher sei es üblich gewesen, ein Jahr vor dem Termin herrsche Klarheit.”

In diesem Satz herrscht sogar am Tag des Termins noch keine Klarheit.
Wenn der Teil “ein Jahr vor dem Termin herrsche Klarheit” nicht mt der Konjunktion “dass” formuliert und angeschlossen wird, steht er ohne Bezug zu “üblich“, allein und sinnlos.

Entwerfende Beschreibung (FAZ, Feuilleton)

Montag, Januar 15th, 2007

In der Rezension eines Buchs von Britta Lange über die Geschichte des größten deutschen Tierpräparate-Händlers:

“Entlang der überraschenden Firmengeschichte von J. F. G. Umlauff führt Lange den Leser damit kenntnisreich durch Wissenschaft, Museum, Kriegsausstellung und Film und Schritt für Schritt zur konkreten Beschreibung der Mechanismen, mit der Menschen- und Naturbilder entworfen und verbreitet werden.”

Nicht mit der im Buch vorgenommenen Beschreibung werden diese Bilder entworfen und verbreitet, sondern mit den beschriebenen Mechanismen.