Archive for März, 2007

Schlachtgebot (FAZ, Titelseite)

Dienstag, März 27th, 2007

Die ersten Sätze der Titelmeldung “Eon erhöht sein Angebot für Endesa”:

“Der Übernahmekampf um den führenden spanischen Stromkonzern Endesa wird immer verbissener. Der deutsche Energiekonzern Eon hat am Montag seinen Abfindungspreis um 1,25 Euro auf 40 Euro erhöht und Klagen in den Vereinigten Staaten und Spanien eingereicht, um seine beiden Widersacher in Bedrängnis zu bringen.”

Wenn das kein Angebot ist: 40 Euro bietet Eon jetzt für Endesa, 40 Euro, die sich die Aktienbesitzer offenbar untereinander aufteilen sollen.

Der Wirtschafts-Aufmacherartikel scheint das zu bestätigen:

“Zunächst gab der Düsseldorfer Energiekonzern eine Anhebung seines Übernahmeangebots um 1,25 Euro auf 40 Euro je Endesa-Aktien bekannt.”

Je Aktien, wohl für jeweils alle. Großaktionäre, die zehn Prozent der Aktien halten, könnten sich bei einem Verkauf aller ihrer Anteile sogar zwei Tassen Kaffee leisten. Wer soll da mit Eon mithalten.

Teilbeteiligt (FAZ, Titelseite)

Dienstag, März 27th, 2007

Im Leitartikel über das Verhältnis von Niedersachsens Ministerpräsident Wulff und Porsche-Chef Piech:

“Wulff dürfte befriedigen, dass er zumindest zum Teil an der Aufklärung der VW-Affäre und damit am Rücktritt von Peter Hartz beteiligt war.”

Wulff war sogar ganz beteiligt. Wie auch alle anderen Beteiligten.

Insgesamt gute Sache (FAZ, Titelseite)

Mittwoch, März 21st, 2007

Im Aufmacher-Artikel über den Bericht des Wehrbeauftragten:

Während der Bericht zwar einzelne arge Fälle aufführt, in denen gegen das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung verstoßen wurde, bewertet er insgesamt die Integration der Frauen als positiv.”

Er bewertet also nicht den Stand der Integration der Frauen in die Bundeswehr als positiv, sondern bewertet die Tatsache als gut, daß Frauen überhaupt in die Bundeswehr integriert werden - insgesamt gut. Über dieses Wohlwollen können sich die Frauen freuen.

Bewilligung (NZZ, Politik)

Freitag, März 16th, 2007

Im Artikel “Schwarzenegger im Clinch mit Republikanern”:

“Von ungewohnt grosszügiger Seite zeigte sich am Mittwoch das amerikanische Gesundheitsministerium. Es sicherte Schwarzenegger zu, die vom Gouverneur gewünschten 3,5 Milliarden Dollar zum Ausbau des Medicaid-Programms in Kalifornien seien bewilligt.”

Entweder ist das Geld bereits bewilligt oder es ist noch nicht bewilligt. Wenn es bewilligt ist, muss das Ministerium die Bewilligung nicht mehr zusichern.

Die Fälle (FAZ, Geisteswissenschaften)

Mittwoch, März 14th, 2007

Im Artikel über eine Tagung zum Ersten Weltkrieg:

“Der Sieg der Japaner im russisch-japanischen Krieg 1905 stellte, so Aydin, einen wichtigen Wendepunkt in der Geschichte des asiatischen Antikolonialismus dar, denn nun schienen europäische Vorurteile von die Unterlegenheit der ‘gelben Rassen’ ad absurdum geführt worden zu sein.”

Und ein Blick auf das gegenwärtige europäische Geisteswesen würde das Selbstvertrauen der Asiaten weiter festigen.

Der Fall (FAZ, Titelseite)

Mittwoch, März 14th, 2007

Erster Satz des Artikels “Talabani gegen raschen Rückzug”:

Das Weiße Haus hat am Dienstag amerikanische Presseberichte bestätigt, wonach im Pentagon Planungen für einen Truppenrückzug aus dem Irak für den Fall begonnen haben.”

Für welchen Fall? Den Fall der Fälle, den Fall von George W. Bush oder für den amerikanischen Herbst, den “fall”?

Nächster Satz: “Sie dienten für den Fall, dass die gegenwärtige Verstärkung der Kampftruppen nicht zu der erhofften Verringerung der Gewalt führen sollte.”

Ach, den Fall. Ein schönes Beispiel für das literarische Erzeugen von Neugier, und das an einer Stelle, wo man Stilismen gar nicht erwartet. Nicht Klarheit der Aussage, sondern Unvollständigkeit und Spannung, das will man als Leser. Die bessere Überschrift wäre auch gewesen: Rückzug für den Fall. Zukunftsweisend.

Vor und zu und drunter und drüber (NZZ, Politik)

Samstag, März 10th, 2007

Erster Satz der Zusammenfassung des Artikels “Nordirische Wahlsieger vor harten Gesprächen”:

“Die nordirischen Regionalwahlen haben auf dem Hintergrund eines blutigen Konflikts den Wählerwillen nach Normalisierung bestätigt.”

Zum einen muss es heißen: nach dem Hintergrund. Nein, neben dem Hintergrund. Und es heißt auch: der Wille auf Normalisierung. Wille ist nämlich so etwas ähnliches wie Appetit. Wie in Appetit vor harten Gesprächen. Oder in: harter Appetit vor Gesprächen.

Aber sowas von widrig (FAZ, Wirtschaft)

Samstag, März 10th, 2007

Die ersten Sätze im Aufmacher-Artikel:

Die Kürzung der Pendlerpauschale hat erneut zu einer ablehnenden Entscheidung der Justiz geführt. Das niedersächsische Finanzgericht stufte jetzt die seit 1. Januar geltende Neuregelung als dermaßen verfassungswidrig ein, dass es in einem Eilverfahren das Finanzamt eines Klägers dazu verpflichtet hat, trotzdem zu dessen Gunsten einen Freibetrag für die gesamte Fahrtstrecke zur Arbeit auf der Lohnsteuerkarte einzutragen.”

Daß das Gericht diese Neuregelung für offensichtlich verfassungswidrig hält, macht die Verfassungswidrigkeit nicht steigerbar.

99% aller Wasserspeicher sehen aus wie Igor Strawinsky (FAZ, Feuilleton)

Samstag, März 10th, 2007

Unterschrift eines Fotoportraits von Igor Strawinsky zum Artikel “Kunst muss man anfassen können”:

“An gotische Wasserspeicher habe ihn das scharfgeschnittene Gesicht des alten Igor Strawinsky erinnert, meinte der Komponist Rolf Liebermann.”

Das würde man gerne wissen: erstens, wie gotische Wasserspeicher aussehen, und zweitens, was am Gesicht von Strawinsky wie solche Wasserspeicher gewirkt hat. Herr Liebermann wiederum hatte scheinbar den Humor eines gotischen Wasserspeiers.

Sein Anwalt (FAZ, Titelseite)

Mittwoch, März 7th, 2007

Letzter Satz der Meldung “Libby wegen Meineids schuldig gesprochen”:

“Sein Anwalt Libbys sagte, er wolle ein neues Verfahren beantragen.”

Lustig, Libbys Anwalt heißt “Libbys”.