Archive for Juli, 2007

Buttertal (FAZ, Titelseite)

Dienstag, Juli 31st, 2007

Überschrift des Kommentars zur Verteuerung der Milcherzeugnisse:

“Die Topographie der Butter”.

Im Artikel:

“Doch nicht nur in deutschen Landen, in der ganzen EU schwindet die unter Einsatz von riesigen Subventionen geschaffene Topographie der Milchseen und Butterberge dahin.”

Die Topographie ist ein Teilbereich der Kartographie, der sich mit der Darstellung von Landoberflächen befasst. Zwar wird mit dem Wort umgangssprachlich auch die Oberflächenform von Landschaften selbst bezeichnet, was der Autor dieses Artikels tut, wenn er mit der Metapher spielt und von der „Topographie der Butterberge“ spricht; wobei diese Topographie dann nicht „schwinden“, sondern sich nur ändern würde. Der Witz geht aber verloren, wenn nicht vom „Butterberg“, sondern von der Butter die Rede ist. Wie in der unsinnigen Überschrift des Kommentars. Der Berg als Landschaft kann vielleicht eine Topographie haben, die Butter bestimmt nicht.

Der Autor der Überschrift hat scheinbar vor lauter Butter den Berg nicht gesehen.

Rückzugsdauer (FAZ, Titelseite)

Dienstag, Juli 31st, 2007

In der Titelmeldung über den Tod von Ingmar Bergman:

“Bergman hatte sich s e i t längerer Zeit aus der Öffentlichkeit zurückgezogen, sein letzter Film ‘Sarabande’ entstand 2003.”

Er hatte sich demnach nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt v o r längerer Zeit zurückgezogen, sondern das seit längerem immer wieder oder immer weiter getan.

Julius Kaczynski (FAZ, Titelseite)

Montag, Juli 30th, 2007

Im Leitartikel, in dem der polnische Ministerpräsident wörtlich zitiert werden soll:

“Seinem Koalitionspartner Lepper hat Jaroslaw Kaczynski zu Beginn der aktuellen Regierungskrise vorgeworfen, er sei nicht imstande, das Geschehen ‘anders als in den Kategorien des politischen Krieges, des Willens, i h n zu eliminieren’, zu verstehen.”

Ihn - Kaczynski spricht wohl von sich selbst. Damit hätte der Autor eine schöne Beobachtung gemacht.

Rechtskraft (FAZ, Titelseite)

Freitag, Juli 27th, 2007

Im Leitartikel über die Tour de France:

“Was von Jan Ullrich, Erster 1997, zu halten ist und was von dem Amerikaner Lance Armstrong, der von 1999 an siebenmal als Führender auf die Champs-Elysées fuhr, kann sich jeder denken - es gibt starke Indizien, aber keine rechtskräftigen Beweise für eine Verurteilung.”

Beweise können nicht “rechtskräftig” sein. Rechtskräftig sind Gerichtsentscheidungen, gegen die keine Rechtsmittel mehr zur Verfügung stehen und die damit wirksam werden.

Und auch ein Beweis lässt keine Verurteilung zu, sondern nur eine Anklage. In Deutschland im angeführten Fall nicht einmal das, da es keinen entsprechenden Straftatbestand gibt. Wenn dies an der Stelle gemeint ist; denn “Beweise für eine Verurteilung” bedeutet, dass eine Verurteilung bewiesen ist - was immer das heißen soll.

Exorbital (NZZ, Feuilleton)

Dienstag, Juli 24th, 2007

Die letzten Sätze in der Rezension von Mary Shelleys “Der letzte Mensch”:

“Die Bilder der Verheerungen, über die das Publikum um 1830 lachte, sprechen heute nicht nur Kinogänger an, sondern auch uns Zeitgenossen der Flutkatastrophen, Wirbelstürme und wachsenden Wüsten. Die von der paranoischen Imagination der Romantik beschriebene o r b i t a l e Verwüstung ist heute das Gipfel-Thema in Wissenschaft und Politik.”

“Orbital” ist das Attribut von “Orbit”, der Umlaufbahn. Eine Verwüstung im ganzen Bereich der Erdumlaufbahn ist nicht das gegenwärtige “Gipfel-Thema” der Politik und wurde auch nicht in der Romantik beschrieben. Der Autor dachte wohl, “orbital” sei ein Synonym von “global”.

Beispiel (FAZ, Titelseite)

Samstag, Juli 21st, 2007

Der zweite Satz im Leitartikel:

“Das Stück erklingt noch heutzutage bei Beisetzungen mit militärischen Ehren, und zwar sowohl b e i Soldaten als auch b e i Zivilisten mit einem gewissen Bezug zur Bundeswehr - wie vor vierzig Jahren auf dem Rhöndorfer Friedhof, unmittelbar bevor der Sarg Konrad Adenauers in die Erde sank.”

Das Stück erklingt also nicht bei Beisetzungen von Soldaten und Zivilisten, sondern es erklingt bei Soldaten und bei Zivilisten.

Vielleicht war ja gemeint: sowohl bei denen von Soldaten als auch bei denen von Zivilisten.

Eingeständnis und Zugeständnis (FAZ, Titelseite)

Samstag, Juli 14th, 2007

Letzter Satz im Kommentar über die Störungen in den Kernkraftwerken:

“Schon in wenigen Tagen nämlich wird Gabriel eingestehen müssen, dass die Betreiber zuverlässig und ihre Anlagen sicher seien.”

Eingestehen kann man nur die eigene Schuld. Demnach wären die Sicherheit der Anlagen und die Zuverlässigkeit der Betreiber die Schuld von Gabriel, die er eingestehen muss.

Ganz oben (FAZ, Feuilleton)

Donnerstag, Juli 12th, 2007

Im Artikel von Literaturchef Hubert Spiegel über Günter Wallraff:

“Das möchte er ändern, jetzt, mehr als zehn Jahre nachdem er Rushdie bei sich zu Hause versteckt hat.”

Nicht: zehn Jahre nachdem Rushdie bei ihm zu Hause versteckt war.

Salman Rushdie ist also immer noch bei Wallraff versteckt, und an Rushdies Stelle hat der verkleidete Wallraff neulich von der Queen den Ritterschlag empfangen. Hoffentlich erspart er uns das Buch.

Abhängigkeit (FAZ, Titelseite)

Donnerstag, Juli 5th, 2007

Im Leitartikel über Nebeneinkünfte von Abgeordneten:

“Es bleibt die Frage, was für Abgeordnete wir künftig bekommen: solche, die in ihrem Beruf und in der Gesellschaft verwurzelt sind, oder abhängige Staatsfunktionäre?”

Gemeint sind wohl vom Staat abhängige Funktionäre. “Abhängige Staatsfunktionäre” können auch von anderen als staatsdienstlichen Einkünften abhängig sein und bilden somit keinen Gegensatz zum ersten Fall.

Monopol und Monopolist (FAZ, Titelseite)

Dienstag, Juli 3rd, 2007

Im Leitartikel:

“Die größte staatliche Aktiengesellschaft des Westens, Frankreichs
S t r o m m o n o p o l EDF, kostet am Markt 198 Milliarden Dollar, und die schwerste deutsche Börsengesellschaft, Siemens, wird zu 129 Milliarden Dollar gehandelt.”

Ein Monopol ist eine marktbeherrschende Stellung. Den Inhaber dieser Stellung nennt man Monopolist. Nicht Monopol.