Archive for Februar, 2008

Auf Hintergründen (NZZ, Feuilleton)

Mittwoch, Februar 27th, 2008

Der Germanist Ludger Lütkehaus in einer Buchrezension:

“Unter dem reisserischen Titel «Kopernikus in der Verbotenen Stadt. Wie der Jesuit Johannes Schreck das Wissen der Ketzer nach China brachte» erzählt jetzt der Wissenschaftshistoriker Rainer-K. Langner a u f dem Hintergrund eines weitgespannten Epochengemäldes von diesem abenteuerlichen Leben.”

Wenn etwas nicht vor, sondern auf einem Hintergrund steht, dann ist entweder der Gegenstand auf diesem Hintergrund nicht sichtbar oder der Hintergrund nicht mehr, wenn man den Blick zum Gegenstand auf dem Hintergrund hebt. Vielleicht ist aber “Vor dem Untergrund” gemeint.

Einmarsch (FAZ, Titelseite)

Samstag, Februar 23rd, 2008

Die Schlagzeile der Titelseite:

“Zehntausend türkische Soldaten marschieren i m Nordirak ein.”

Das haben die Soldaten nicht getan. Um “im” Nordirak einmarschieren zu können, hätten die Soldaten bereits dort sein müssen. Und wenn sie im Nordirak, also innerhalb des Nordiraks einmarschiert wären, würde sich die Frage stellen, wohinein sie innerhalb des Nordiraks eigentlich einmarschiert sind - etwa aus einer Provinz in die andere?

Tatsächlich sind die Soldaten aus der Türkei i n d e n Nordirak einmarschiert. Einmarschieren, also in etwas hineinmarschieren, kann man eben nur, wenn man von außen kommt. Man kann es nicht, wenn man bereits innen ist.

Hehlerei (FAZ, Wirtschaft)

Freitag, Februar 22nd, 2008

Im Wirtschafts-Leitartikel über die Steueraffäre:

“Dem deutschen Strafgesetzbuch zufolge ist Hehlerei eine ‘Sache, die ein anderer gestohlen oder sonst durch eine gegen fremdes Vermögen gerichtete rechtswidrige Tat erlangt hat,’ sie ankauft oder verschafft hat, um sich oder einen Dritten zu bereichern.”

Das ist Hehlerei keineswegs, weder nach dem Strafgesetzbuch noch nach sonstiger Definition. Hehlerei ist keine gestohlene Sache, sondern eine Handlung - nämlich die, gestohlene Sachen anzukaufen und weiterzuveräußern.

Texte aus dem Strafgesetzbuch abzuschreiben ist im Unterschied dazu erlaubt, aber scheinbar schwierig.

Einer von Euch (FAZ, Titelseite)

Mittwoch, Februar 13th, 2008

Im Kommentar “Umsichtige und kluge Wahl”:

“Denn wo käme die Kirche hin, wenn nicht der Papst durch die Auswahl der Bischöfe und Kardinäle den Kurs bestimmt, sondern die Bischöfe eines Landes durch demokratische Wahl einen der I h r e n für lange Zeit zu ihrem Repräsentanten machen?”

Der Autor schreibt also nicht davon, dass die Bischöfe einen der i h r e n wählen, sondern er richtet sich an die Leser: einen der Ihren.

Das wäre dann eine wirklich demokratische Wahl.

Gesellschaftlich und soziologisch (FAZ, Titelseite)

Donnerstag, Februar 7th, 2008

Im Leitartikel, über Barack Obama:

“Aber auch er kann mit seiner süßlichen, beinahe unpolitischen Rhetorik des Überwindens aller s o z i o l o g i s c h e n Kategorien und politischer Trennungslinien eines nicht verwischen: Die Hautfarbe der demokratischen Wähler spielt bei der Entscheidung zwischen beiden Kandidaten keine geringe Rolle.”

Eher wohl: des Überwindens aller sozialen Kategorien. Vom Überwinden der soziologischen, also der sozialwissenschaftlichen Kategorien kann keine Rede sein, jedenfalls nicht zu Obamas ganz unwissenschaftlicher Rhetorik. Die dort angeblich überwundenen Trennungslinien sind schließlich auch politische und nicht politologische. Die Gesellschaft ist nicht die Wissenschaft von der Gesellschaft, und die Trennungslinie zwischen beiden ist schlecht zu überwinden.