Archive for September, 2008

Finanzen sind die Stichwörter (FAZ, Feuilleton)

Donnerstag, September 18th, 2008

Im Feuilleton-Aufmacher von Frank Schirrmacher “Das Zeitalter des Unglücks”, vierter Satz:

“Eine sogenannte ‘Finanzkrise’ kann in einer Gesellschaft, wo Finanzen d i e S y n o n y m e für gesellschaftliche Rationalität geworden sind, nichts anderes sein als eine brutale Vernunftkrise.”

Ein Synonym ist ein Wort, das die gleiche Bedeutung wie ein anderes Wort hat. “Finanzen” ist ein einzelnes Wort, nicht mehrere Wörter - daher kann es nicht “die Synonyme” für etwas sein, sondern nur d a s Synonym dafür.

Felder und Zentren (FAZ, Titelseite)

Donnerstag, September 18th, 2008

Im Leitartikel “Ende eines Dogmas”:

“Das Ergebnis ist, dass Zimbabwe künftig zwei M a c h t z e n t r e n hat - eines u m den neuen Ministerpräsidenten, eines u m den alten Präsidenten.”

Ein Zentrum liegt in der Mitte, nicht um die Mitte.

Also eher: “Das Ergebnis ist, dass Zimbabwe künftig zwei M a c h t f e l d e r hat - eines um den neuen Ministerpräsidenten, eines um den alten Präsidenten.”

Schnelle Spirale (FAZ, Wirtschaft)

Donnerstag, September 18th, 2008

Im Leitartikel Wirtschaft “Die Fed als Feuerwehr”:

“Ein Kollaps des Assekuranz-Giganten hätte die A b w ä r t s s p i r a l e an den fragilen Finanzmärkten dramatisch beschleunigt.”

Eine Spirale bewegt sich eigentlich nicht, kann sich also auch nicht beschleunigen. Beschleunigen kann sich die Bewegung auf ihr.

Also eher: “Ein Kollaps des Assekuranz-Giganten hätte die A b w ä r t s b e w e g u n g an den fragilen Finanzmärkten dramatisch beschleunigt.”

Ausloben und ausrichten (FAZ, Feuilleton)

Dienstag, September 9th, 2008

In der Glosse “Dirty Don”:

“Das linke Wochenmagazin ‘New Statesman’ hatte im Vorfeld des Ereignisses einen Wettbewerb a u s g e l o b t für die witzigsten Gesprächsfetzen, die man in der Pause an der Bar mitgehört haben könnte.”

Preise werden ausgelobt, also versprochen - Wettbewerbe werden ausgerichtet oder veranstaltet.

Streitig und strittig (FAZ, Titelseite)

Donnerstag, September 4th, 2008

Im Leitartikel “Bildungspolitik braucht ehrgeizige Ziele”:

“Während die Kultusminister einhellig dafür plädieren, die wegen sinkender Schülerzahlen freiwerdenden Mittel (demographische Rendite) im Bildungssystem zu lassen, ist auch diese Forderung unter den Ministerpräsidenten s t r e i t i g.”

“Streitig” ist der zu gewinnende Gegenstand eines (Rechts-)Streits. Da nicht um die Forderung gestritten wird wie um Bildungsmittel, sondern über die Forderung gestritten wird, ihre Statthaftigkeit also umstritten ist, müsste es heißen: strittig.

Noch viel wiegender (FAZ, Politik)

Donnerstag, September 4th, 2008

Und auch heute wieder - großgesetzte Überschrift:

“Der s c h w e r w i e g e n d s t e Bruch des Völkerrechts”.

Der schwerstwiegende Bruch der Sprachgesetze ist das nicht, aber der zur Zeit bestimmt häufigste.

Grenzen (FAZ, Titelseite)

Mittwoch, September 3rd, 2008

Im Leitartikel “An der Wegscheide” über das EU-Gipfeltreffen zur Georgien-Krise:

“Sowohl das militärische Vorgehen der Russen als auch ihr Versuch, v ö l k e r r e c h t l i c h e Grenzen mit Gewalt zu verändern, damit Georgiens territoriale Integrität auf irreparable Weise zu beschädigen und seine freie Wahl der Bündnisse einzuschränken, werden als ‘inakzeptabel’ gerügt und zurückgewiesen.”

“Völkerrechtliche Grenzen” sind Begrenzungen des Völkerrechts, also juristische Grenzen. Hier dagegen sind politische Grenzen gemeint, die Staatsgrenzen Georgiens. Es müsste daher heißen: völkerrechtlich anerkannte Grenzen.

Herausforderer (FAZ, Wirtschaft)

Mittwoch, September 3rd, 2008

Die ersten Sätze im Wirtschaftsleitartikel “Wahlkampf um die Wirtschaft”:

“Eines wird sich später gewiss nicht sagen lassen: dass der Kampf um die amerikanische Präsidentschaft 2008 langweilig gewesen sei. Der Grund dafür ist nicht nur, dass sich mit Barack Obama zum ersten Mal in der Geschichte des Landes ein Farbiger um den Einzug ins Weiße Haus bewirbt und sein H e r a u s f o r d e r e r, John McCain, bei einem Wahlsieg älter wäre als sämtliche 43 Präsidenten vor ihm.”

Der Herausforderer von Obama ist McCain nicht, sondern sein gleichrangiger Gegner im Wahlkampf. Um jemanden herausfordern zu können, muss der Herausgeforderte in einer höheren Position sein, aus der man ihn fordern kann; in diesem Fall der Position des Präsidenten.