Archive for Januar, 2009

Der große Preis (FAZ, Titelseite)

Samstag, Januar 31st, 2009

In der Leitglosse “Die hessische Trikolore”:

“Der CDU war schon vor dem Wahlabend bewusst, dass die Verlängerung der Ära Koch, an die vor drei Monaten kaum noch einer geglaubt hatte, ihren Preis haben würde. Der ist des bescheidenen Abschneidens der CDU und des sensationell guten Wahlergebnisses der FDP halber dann noch etwas g r ö ß e r a u s g e f a l l e n als von den Christlichen Demokraten befürchtet.”

Da Preise nur dann groß sind, wenn sie vergeben werden, sollte es eher heißen: “höher geworden”.

Öffentlich und gut (FAZ, Wirtschaft)

Samstag, Januar 31st, 2009

Die ersten Sätze im Wirtschaftsaufmacher “Bund bereitet Banken-Verstaatlichung vor”:

“Das Finanzministerium hat einen ersten Entwurf für ein Gesetz zur Verstaatlichung von Banken erarbeitet. Er schafft die bis zum 31. Dezember 2009 befristete Möglichkeit, ‘zur Sicherung des ö f f e n t l i c h e s Gutes ,Finanzmarktstabilität’ Anteile an einem Unternehmen des Finanzsektors und Wertpapierportfolien gegen angemessene Entschädigung zugunsten des Bundes oder des Finanzmarktstabilisierungsfonds zu verstaatlichen’, heißt es in einem dieser Zeitung vorliegenden Entwurf vom 29. Januar.”

So etwas ist man vom Finanzministerium natürlich gewohnt. Schön zitiert.

Riesiger Fuhrpark (FAZ, Wirtschaft)

Mittwoch, Januar 28th, 2009

Der vierte Satz im Wirtschaftsaufmacher “Staatsgarantien für die Kunden von Airbus”:

“Zugleich wurde bekannt, dass die b r i t i s c h e R e g i e r u n g - ähnlich wie Frankreich und Deutschland - ihre Autoindustrie stützen will.”

Die britische Regierung unterhält eine eigene Autoindustrie? Dann muss das Kabinett sehr groß sein.

Eher: “Zugleich wurde bekannt, dass G r o ß b r i t a n n i e n - ähnlich wie Frankreich und Deutschland - seine Autoindustrie stützen will.”

Weltlogik (NZZ, Feuilleton)

Samstag, Januar 24th, 2009

Der erste Satz in der Rezension der Neu-Übersetzung von “Don Quijote”:

“W e n n es zutrifft, dass ein Werk von hoher dichterischer Aussagekraft, um als Weltliteratur gelten zu können, nicht nur von den Angehörigen der eigenen Sprachgemeinschaft, sondern auch von anderssprachigen Lesern als ein unverkennbar identitätsstiftendes Werk anerkannt werden muss,
d a n n erfüllt der Roman ‘Don Quijote’ von Miguel de Cervantes diese Bedingung voll und ganz.”

Wenn es stimmt, dass Weltliteratur diese Bedingung erfüllen muss, dann erfüllt dieser Roman also diese Bedingung. Und wenn das nicht stimmt, obwohl der Roman der gleiche bleibt, dann erfüllt dieser Roman diese Bedingung nicht?

Gemeint ist wohl: “(…) dann ist der Roman ‘Don Quijote’ von Miguel de Cervantes Weltliteratur”.

Aufschub (NZZ, Titelseite)

Donnerstag, Januar 22nd, 2009

Der erste Satz im Aufmacher “Rasche erste Schritte Präsident Obamas”:

“Am Dienstagnachmittag, wenige Stunden nach dem Amtsantritt Präsident Obamas, hat das Weisse Haus einen A u f s c h u b der im Gefangenenlager Guantánamo laufenden Strafprozesse gegen Terrorverdächtige beantragt.”

Einen Aufschub, eine Verzögerung des Beginns, könnte es nur geben, wenn diese Strafprozesse noch nicht begonnen hätten. Da es aber bereits laufende Verfahren sind, kann nur deren A u s s e t z u n g beantragt werden.

Die Worte des Präsidenten (FAZ, Titelseite)

Mittwoch, Januar 21st, 2009

Der dritte Satz im Aufmacher “Barack Obama als Präsident vereidigt”:

“In seiner Rede vor Hunderttausenden Menschen auf der W a s h i n g t o n M a l l setzte Obama den ‘aufziehenden Wolken und tosenden Stürmen’ der Krise, in der Amerika sich gegenwärtig befinde, eine Botschaft der Zuversicht entgegen: ‘Die Herausforderungen, mit denen wir konfrontiert sind, sind real. Sie sind ernst, und sie sind zahlreich. Sie w e r d e n nicht leicht oder kurzfristig g e m e i s t e r t. Aber wisse, Amerika, s i e w e r d e n g e m e i s t e r t.’”

Das hat Barack Obama nicht gesagt. Er hat nicht gesagt, dass diese Herausforderungen zur Zeit gemeistert werden. Vielmehr hat er gesagt, dass sie in der Zukunft gemeistert werden:
“They are serious and they are many. They w i l l not b e m e t easily or in a short span of time. But know this, America — they w i l l be met.”
Nicht: “are being met”.
Also richtig übersetzt: “Sie w e r d e n nicht leicht oder kurzfristig g e m e i s t e r t w e r d e n. Aber wisse, Amerika, s i e w e r d e n g e m e i s t e r t w e r d e n.’”

Außerdem gibt es keine “Washington Mall” in Washington.
Barack Obamas Rede wurde auf der N a t i o n a l M a l l gehalten.

Ehrenhaft (NZZ, Titelseite)

Montag, Januar 19th, 2009

Im Aufmacher “Sieg ohne Glanz für Koch in Hessen”, der dritte Satz:

“”Ihr Konzept - die hartnäckige, im Grunde sehr e h r e n h a f t e Ausrichtung eines ganzen Wahlkampfs auf Koch, der kurzerhand zur Unperson erklärt wurde - ist kläglich, ja dramatisch gescheitert.”

“Ehrenhaft” ist eigenes Verhalten - wohingegen hier wohl gemeint ist, dass die Ausrichtung auf Koch ein Kompliment an diesen war.
Also eher: “e h r e n d e Ausrichtung”.

Konkrete Wahrheit (FAZ, Wirtschaft)

Samstag, Januar 10th, 2009

Der erste Satz im Wirtschaftsleitartikel “Merkt jemand eine Krise?”:

“Die Wahrheit ist konkret.”

Wahrheit ist nie konkret, denn “Wahrheit” ist ein abstrakter Begriff - kein konkreter, gegenständlicher Begriff. Und um “Wahrheit” oder “Lüge” geht es in dem Artikel auch nicht.

Gemeint ist hier wohl: “Die W i r k l i c h k e i t ist konkret zu spüren.”

Bezweckte Vermutung (NZZ, Titelseite)

Samstag, Januar 10th, 2009

Im Leitartikel “In Palästina nichts Neues”:

“Was Israel mit seinem Militärschlag im Gazastreifen bezweckt und erreichen möchte, i s t k e i n e g e w a g t e V e r m u t u n g. Es verspricht sich Sicherheit vor einem eskalierenden Raketenbeschuss und vielleicht noch anderes mehr.”

Es ist keine Vermutung, die Israel bezweckt - das stimmt. Gemeint ist eher: “Was Israel mit seinem Militärschlag im Gazastreifen bezweckt und erreichen möchte, i s t l e i c h t z u e r r a t e n.” Oder: “ist offensichtlich”.

Überkommen (FAZ, Titelseite)

Freitag, Januar 2nd, 2009

Der zweite Satz in der Leitglosse “Nur mit Hilfe von außen”:

“Das gilt von Afghanistan bis zum Gazastreifen, im alten wie im neuen Jahr. Wenn jeder als möglicher Kämpfer und damit als Feind gilt, ist wieder einmal zu fragen, ob die ü b e r k o m m e n e n Regeln des Krieges noch in die Zeit passen.”

Die Frage ist im Satz bereits beantwortet: wenn die Regeln überkommen sind, passen sie per definitionem nicht mehr in die Zeit. Eher: die traditionellen Regeln des Krieges.