Archive for Mai, 2009

Fremdkörper (FAZ, Wirtschaft)

Mittwoch, Mai 27th, 2009

Im Leitartikel Wirtschaft

“Die fehlende technische Perfektion des Vorhabens allein ist allerdings ein schwaches Argument der typischerweise an Informatik interessierten Netzgemeinde. Wer Wochenenden darauf verwendet, seinen Computer mit Zusatzprogrammen zu ‘optimieren’, damit alles ‘perfekt’ läuft und der Rechner eine Sekunde schneller hochfährt, der empfindet eine durchlässige Sperre als F r e m d k ö r p e r. Ungeeignet zur Verbrechensbekämpfung wird sie dadurch aber noch nicht.”

Warum sollten Computertüftler diese Sperre als “Fremdkörper” empfinden? Eher doch als “Lächerlichkeit” oder als “lächerlich”.

makaber (FAZ, Wirtschaft)

Dienstag, Mai 26th, 2009

Im Leitartikel Wirtschaft:

“Mittlerweile hat der Erfahrungssatz jedoch noch einen weiteren, einen m a k a b r e n Hintergrund: Einzelne Anwaltskanzleien haben sich darauf spezialisiert, Medien Abmahnschreiben zu schicken, noch bevor diese überhaupt einen unliebsamen Artikel über einen prominenten Mandanten drucken können.”

Da “makaber” immer mit “Tod” konnotiert ist und die Kanzleien dabei nicht etwa Leichenfledderei betreiben, müsste es eher heißen: “einen empörenden Hintergrund”.

Furchtsamer Bonitätsverlust (FAZ, Wirtschaft)

Samstag, Mai 23rd, 2009

Im Aufmacher Wirtschaft “Zweifel an erstklassiger Bonität Amerikas”:

“In dem Bemühen, die Befürchtungen eines Bonitätsverlustes zu verringern, bekräftigte der amerikanische Finanzminister Tim Geithner die Entschlossenheit zur Haushaltskonsolidierung.”

Ein Bonitätsverlust fürchtet im allgemeinen nichts, denn er hat buchstäblich keine Nerven - im Gegensatz zu den Marktakteuren.

Eher: “In dem Bemühen, die Furcht vor einem Bonitätsverlust zu verringern, bekräftigte der amerikanische Finanzminister Tim Geithner die Entschlossenheit zur Haushaltskonsolidierung.”

Voraussage (FAZ, Titelseite)

Samstag, Mai 23rd, 2009

Die Unterschlagzeile der Titelseite:

“Heute Wahl eines neuen Bundespräsidenten”.

Da der alte Bundespräsident ebenfalls zur Wahl antritt, verfügt die FAZ anscheinend über Insiderinformationen.

halten (NZZ, Titelseite)

Freitag, Mai 22nd, 2009

Der erste Satz im Aufmacher “Obama verteidigt Anti-Terror-Politik”:

“Präsident Obama hat am Donnerstag in einer Grundsatzrede festgestellt, Amerikas Sicherheit sei am besten gedient, wenn es die Grundwerte der Verfassung und die H e r r s c h a f t des Rechts h o c h h a l t e.”

Offenbar ein Übersetzungsfehler - Werte kann man hochhalten, eine Herrschaft dagegen schlecht. Das englische “to uphold”, das in diesem Zusammenhang in Obamas Redetext auftaucht, bedeutet sowohl “etwas hochhalten” als auch “etwas aufrechterhalten”; letztes würde für die Rechtsherrschaft zutreffen.

Eher: “wenn es die Grundwerte der Verfassung und des Rechts hochhalte”, oder: “wenn es die Grundwerte der Verfassung hochhalte und die Herrschaft des Rechts stütze”.

Feuerwehr (FAZ, Wirtschaft)

Freitag, Mai 22nd, 2009

Im Leitartikel Wirtschaft “Die Kosten der Arbeitslosigkeit”:

“Der natürliche Regulator ist der Beitragssatz. Doch diesen mitten in der Beschäftigungskrise zu erhöhen und damit Arbeit zu verteuern, käme dem Feuerwehrmann gleich, der Benzin ins Feuer gießt, statt den Brand zu löschen.”

Das Erhöhen ist eine Handlung und kann daher nicht wie ein Feuerwehrmann sein. Außerdem wird das Benzin nicht ins Feuer gegossen, “s t a t t den Brand zu löschen”, sondern “u m den Brand zu löschen”; es geht ja um die Absicht.

Eher: “Doch diesen mitten in der Beschäftigungskrise zu erhöhen und damit Arbeit zu verteuern, wäre wie Benzin ins Feuer zu gießen, um einen Brand zu löschen.”

Ausgehende Entwicklung (FAZ, Titelseite)

Mittwoch, Mai 20th, 2009

Der zweite Satz im Aufmacher “Verfassungsschutz: Islamismus Gefahr für die innere Sicherheit”:

“Nach Darlegung des Verfassungsschutzberichts, den Innenminister Schäuble (CDU) am Dienstag in Berlin vorstellte, geht eine ’sehr gefährliche Entwicklung für die innere Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland’ von radikalen Islamisten aus, die ideologische und technische Schulungen in ausländischen Ausbildungslagern durchlaufen.”

Dass Gefahren von etwas ausgehen können, ist bekannt - über Entwicklungen wusste man das noch nicht.

Domäne und Bastion (FAZ, Wirtschaft)

Mittwoch, Mai 20th, 2009

Der erste Satz in der Glosse “Bastion gehalten”:

“Die deutsche Apotheke bleibt Bastion der Apotheker.”

Eine Bastion ist ein vorgezogener Verteidigungsstützpunkt einer Festung. “Die letzte Bastion” ist der letzte Ort, der eine Festung gegen den Angriff einer feindlichen Übermacht schützt. Hier ist die Schlacht aber geschlagen und zuende - und was erfolgreich verteidigt wurde, ist nicht nur eine Bastion, sondern die Festung, der eigene Herrschaftsbereich: die Domäne. Welche hier sichtlich mit einer Bastion verwechselt wurde, da “Bastion” nicht ohne Artikel verwendet werden kann.

Theater (FAZ, Wirtschaft)

Montag, Mai 18th, 2009

Die ersten Sätze in der Glosse “Völlig verzockt”:

“Porsche und Volkswagen bieten derzeit großes Theater. Leider hat die Vorführung nicht eine Qualität, die das Publikum zu Applausstürmen treibt. Im Gegenteil: Das Heldenstück um den David Porsche, der den Goliath VW übernimmt, ist zu einem schlechten Trauerspiel geworden.”

Also ist es doch kein großes Theater, sondern eine Provinzvorstellung.

Schulterschluss (FAZ, Wirtschaft)

Montag, Mai 18th, 2009

Der erste Satz im Aufmacher Wirtschaft “VW schlägt Porsche die Tür zu”:

“Der Kampf um den geplanten Schulterschluss zwischen Volkswagen und Porsche hat eine neue Eskalationsstufe erreicht.”

Um einen Schulterschluss kann es keinen Kampf geben - ein Schulterschluss ist ein Bündnis von Freunden, ein Schließen der Reihen gegen einen gemeinsamen Gegner.

Eher: “Der Kampf im Zuge der geplanten Fusion von Volkswagen und Porsche hat eine neue Eskalationsstufe erreicht.”